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Amosinternational

20. Juni 2017

Heft 2 Europa und Afrika – Partnerschaft auf Augenhöhe?

 

In einer sich mehr und mehr globalisierenden Welt scheint der afrikanische Kontinent wieder stärker die Aufmerksamkeit der europäischen Politik zu finden. Die noch für 2017 angekündigte Afrika-Strategie der Europäischen Union, der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit initiierte Marshall-Plan mit Afrika und nicht zuletzt der vom deutschen Finanzminister angestoßene G 2O Compact with Africa lassen den Schluss zu, dass die Beziehungen zwischen den afrikanischen und europäischen Staaten vor einem Neubeginn stehen. Die soeben erschienene Ausgabe von Amosinternational greift diese Thematik aus sozialethischer Sicht auf und geht in sechs Aufsätzen der Frage nach, ob es eine neue Partnerschaft auf Augenhöhe gibt.

 

Boniface Mabanza Bambu zeichnet die Geschichte der Handelsabkommen nach, die zwischen afrikanischen Ländern und der EU geschlossen wurden und die seiner Auffassung nach den langfristigen Interessen der betreffenden afrikanischen Regionen im Wege stehen. Deshalb plädiert er für ein Moratorium der bereits bestehenden Vereinbarungen sowie der laufenden Verhandlungen, um die afrikanisch-europäischen Handelsbeziehungen auf eine neue, gerechte Grundlage zu stellen.

Brigitta Herrmann fokussiert das Fortbestehen des akuten und chronischen Hungers südlich der Sahara und erkennt eine Mitverantwortung Europas. Da unfaire Handelsstrukturen, Rüstungsexporte, Landgrabbing sowie Klimaveränderungen zur mangelhaften Ernährungslage beitragen, sieht sie die Europäer in der Pflicht, Ansätze zur Beseitigung der Missstände zu entwickeln. Den Marshall-Plan mit Afrika oder die Errichtung von Eine-Welt-Universitäten würdigt sie als entsprechend positive Initiativen.

Auch Jonas Koudissa rekurriert auf die Mitverantwortung der EU für die Stagnation Afrikas. Am Beispiel der von ihr betriebenen Handels-, Subventions- und Agrarpolitik legt er dar, wie Europa durch Schaffung ungerechter Rahmenbedingungen die Verarmung vieler afrikanischer Länder perpetuiert und so Migrationsbewegungen verstärkt. Ein Schlusswort erinnert an ethische Prinzipien, die beim Bemühen um bessere Verhältnisse als Leitlinien dienen können.

Markus Demele befasst sich mit interkulturellen Voraussetzungen für die Formulierung der Afrika-Strategie der Europäischen Union. Dabei verweist er darauf, dass die Bedeutung der Kultur für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes meist absolut gesetzt oder marginalisiert werde und es deshalb wichtig sei, daraus zu lernen. Die EU müsse u.a. durch Förderung von Begegnungen die afrikanischen Kulturen und deren teils hohe Heterogenität realistisch wahrnehmen und ihnen einen angemessenen Stellenwert einräumen.

 

Alexander Merkl thematisiert die zunehmende Vergemeinschaftung der EU-Außen- und Sicherheitspolitik, die vom Leitmotiv der Resilienz getragen wird. In seinen Ausführungen reflektiert er die daraus erwachsenden Konsequenzen für den afrikanischen Kontinent und vertritt die These, wonach es den Europäern vor allem um die Kontrolle und Begrenzung von Zuwanderung gehe.

  

Schließlich wirft Friedhelm Hengsbach SJ einen Blick auf die tiefgreifenden Krisensymptome innerhalb der Europäischen Union. Zu den zahlreichen strukturellen Konflikten, die den Bestand der EU erheblich gefährden, rechnet der Autor auch das europäische Asylsystem mit seinem Bestreben, möglichst viele Schutzsuchende fernzuhalten. Nicht nur aus diesem Grund empfiehlt er einen Neustart Europas auf der Basis einer erneuerten europäischen Verfassung.