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Tagungsbericht zur Sozialinitiative beider Kirchen

24. Juni 2014

Am 18. Juni 2014 fand in Berlin ein Kongress der Ökumenischen Sozialinitiative des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz statt, auf dem das entsprechende Papier beider Kirchen einer umfassenden und kritischen Reflexion unterzogen wurde. Zu diesem Zweck waren Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Vertreter kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Organisationen eingeladen, die unter Moderation von Dr. Claudia Nothelle, RBB-Programmdirektorin, bzw. Dr. Ursula Weidenfeld, freie Journalistin, ihre Einschätzung zu dem am 28. Februar 2014 vorgelegten Impulstext abgaben. Schon im Vorfeld der Tagung konnte sich die gesellschaftliche Öffentlichkeit auf der Homepage der Sozialinitiative zur ökumenischen Wortmeldung positionieren. Verbände, Gruppen oder Einzelpersonen hatten so die Möglichkeit, durch eigene Stellungnahmen, Beiträge oder Kommentare dem Papier eine Resonanz zu geben. Da das Sozialwissenschaftliche Institut  der EKD wie auch die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle an den vorbereitenden Arbeiten der Sozialinitiative beteiligt waren, fassten die beiden Direktoren, Prof. Dr. Gerhard Wegner und Prof. Dr. Peter Schallenberg, nach der Eröffnung der Tagung durch Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strom die Reaktionen in einem einleitenden Referat zusammen.

 

Prof. Schallenberg hob hervor, dass vor allem das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft, insbesondere aber die Inklusion als ethische Leitkategorie in vielen Stellungnahmen positiv gewürdigt worden seien. Gleiches gelte für die ökologische Nachhaltigkeit, die das Kirchenpapier neben der Freiheit und dem sozialen Ausgleich als drittes Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft fordert. Kritisch rezipiert wurde  so Schallenberg das teilweise hohe, auf der Analyseebene verbleibende Abstraktionsniveau sowie das Fehlen konkreter Forderungen. Prof. Schallenberg wie auch Prof. Wegner konstatierten zudem, dass sich die Öffentlichkeit auch eine tiefere Auseinandersetzung mit den Themenbereichen Migration, Behinderung, Familie Geschlechtergerechtigkeit und europäischer Sozialstaat gewünscht hätten. Mit dieser Tour d'Horizon der Reaktionen wurde das breite Spektrum der Fragen angesprochen, die die Referenten der Tagung in ihren Vorträgen thematisierten. Zwar kann hier nicht auf jeden der insgesamt 26 Beiträge eingegangen werden, doch sei betont, dass die einzelnen Redner einen guten Querschnitt des gesellschaftlichen Lebens abbildeten.

 

Prof. Dr. Udo di Fabio, Bundesverfassungsrichter a.D., sprach über die Verbindung von Freiheit und Gerechtigkeitund Andreas Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, referierte zum Thema Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik unter der Maßgabe der Gerechtigkeit. Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, diskutierte mit dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, und der Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), Prof. Jutta Allmendinger Ph.D., über die Relevanz der Sozialinitiative für die Problemlagen in den Bereichen Wirtschaft, Arbeit und Bildung. Andere wichtige Panel waren die Regulierung der Finanzmärkte, die ökologisch-soziale Dimension der Marktwirtschaft sowie Generationengerechtigkeit unter den Bedingungen des demographischen Wandels. Zu den Diskussionseilnehmern gehörten hier u.a. Prof. Dr. Jörg Althammer, Katholische Universität Eichstätt, Matthias Wittenburg, Mitglied des Vorstandes der HSH Nordbank AG, Prof. Dr. Hans Diefenbacher, Beauftragter des Rates der EKD für Umweltfragen und Regina-Dolores Stieler-Hinz, Bundesvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Nicht zuletzt hatten auch die Kirchen das Wort, um über Wirkung der Sozialinitiative in den eigenen Reihen zu berichten. Auskunft gaben dabei Alois Glück, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Traugott Jähnichen, Ruhr-Universität Bochum, und  Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.

 

Als sehr gewinnbringend erwies sich der Dialog mit den ca. 350 Teilnehmern des Kongresses, der sich über sog. Anwälte des Publikums vollzog. Angesprochene Überlegungen wurden dadurch konkretisiert oder näher erläutert.

 

In seinem Schlusswort am Ende der Tagung  konnte Reinhard Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, eine positive Bilanz des intensiv geführten Austausches ziehen. Der Kardinal kündigte an,  dass der Kongress Ausgangspunkt zu einem weiteren Diskurs sein solle und schlug vor, den Diskussionsprozess auf der Grundlage der Tagungsergebnisse bis Februar 2015 fortzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt, d.h. ein Jahr nach Veröffentlichung der Ökumenischen Sozialinitiative solle dann eine Gemeinsame Ökumenische Feststellung als Anwort der Kirchen auf wichtige gesellschaftliche Fragen herausgegeben werden.