Sie sind hier: Aktuelles der KSZ » Jubiläum der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle

Jubiläum der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle

28. Oktober 2013

Am 25. und 26. Oktober 2013 veranstaltete die KSZ aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens eine Fachtagung und einen großen Festakt. Im Rahmen der Fachtagung referierte zunächst Dr. Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie Allensbach über „Religiöse Werte in der Gesellschaft“ und deren statistisch fassbare Veränderungen. Dr. Petersen konstatierte eine Rückkehr der Naturreligion, in denen jeder Bereich des Lebens eine eigene Gottheit besitzt. Diese Daten dienten besonders dazu, herkömmliche, weil plausible Annahmen, wie etwa die der Rückkehr der christlichen Religion, statistisch zu widerlegen. Dr. Petersen machte deutlich, dass unser Bild der Wirklichkeit immer von Bekanntem und unseren auf dem Bekannten fußenden Vorstellungen abhängt, so dass es aus seiner Sicht Aufgabe der Meinungsforschung ist, manche Bilder gerade zu rücken und etwa die Einstellungen der Bevölkerung zu religiösen Themen konkret zu ermitteln.

  

 

Professor Manemann vom Forschungsinstitut für Philosophie Hannover referierte in Abgrenzung dazu über die Notwendigkeit der normativen Aktivierung der Bürgergesellschaft durch die Christliche Sozialethik. Zentraler Begriff seiner Ausführungen war der der Zeitdiagnose, die die Gesellschaft und die Situation des Individuums jenseits von Statistiken erfassen soll und sich gerade durch die Berücksichtigung des Individuums und durch Empathie von der Meinungsforschung unterscheidet. Manemann versuchte mit Rückgriff auf die alttestamentlichen Propheten Amos und Jona deutlich zu machen, dass es einer christlichen Theologie und besonders einer Sozialethik nicht angemessen ist, Gesellschaft nur von außen zu analysieren. Vielmehr müsse die Theologie ihre Mitwirkung an der Gesellschaftsgestaltung immer als Teil der Gesellschaft und damit aus einer Zeitgenossenschaft heraus leiten. Wenn sie unterstützt werden, können sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Die christliche Sozialethik solle junge Menschen deshalb zum Engagement ermutigen, in welcher Form auch immer dies dann zum Tragen käme.

  

 

Im Anschluss gab es eine kontroverse Debatte zwischen diesen beiden berechtigten, aber sehr unterschiedlichen Zugängen  zur Gesellschaftsanalyse.

 

Der Samstag begann mit einem feierlichen Pontifikalamt mit Dr. Reinhard Kardinal Marx, Erzbischof von München und Freising und Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff aus Aachen und Bischof emer. Adrianus von Lynn aus Rotterdamm. In seiner Predigt betonte Kardinal Marx, die Kirche dürfe nicht nur lehrend auftreten, sondern müsse sich auch immer als Lernende begreifen, die die Gesellschaft sehe, wie sie sei und nicht nur, wie die Kirche sie haben wolle. Der interdisziplinäre Austausch sei Kern und vortrefflichste Aufgabe der KSZ die diese in den vergangenen 50 Jahren gut erfüllt habe. Im Festakt betonte der Kardinal vor 200 Zuhörern, die Kirche müsse sich aktuellen Herausforderungen stellen. Angesichts der Finanz- und Eurokrise stehe die Marktwirtschaft vor gewaltigen Problemen, zu deren Lösung die christliche Ethik etwas beizutragen habe. Kirche dürfe nicht „nur auf sich selbst bezogen sein“ und sich in die Sakristei zurückziehen, sondern müsse die Welt kritisch, aber liebevoll begleiten. Bischof Mussinghoff verdeutlichte, dass besonders die Reihe „Kirche und Gesellschaft“ die Möglichkeit der Diskussion über die Expertenkreise hinaus und damit eine breite gesellschaftliche Wirkung der katholischen Soziallehre ermöglicht habe.

 

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann betonte, dass die KSZ Werte wie Achtung und Toleranz vermittle und deshalb wichtig auch für das Land Nordrhein-Westfalen sei.

 

Der Mönchengladbacher Oberbürgermeister Norbert Bude betonte, wie froh man sei, die KSZ in der Tradition des Volksvereins für das katholische Deutschland als sinnstiftende Institution in der Stadt zu haben. Prof. Dr. Gerhard Wegner, Direktor des sozialethischen Instituts der EKD betonte die erfolgreiche ökumenische Zusammenarbeit, die fortgesetzt werden sollte.

 

Einen kurzen Rückblick in die Anfänge lieferten Zeitzeugeninterviews mit dem langjährigen Direktor der KSZ. Prof. P. Dr. Anton Rauscher SJ, dessen Verdienste um die KSZ auch von allen Rednern hervorgehoben wurden, und Dr. Paul Becher, der lange Zeit als „Verbindungsmann“ zwischen KSZ und Zentralkomitee der deutschen Katholiken erfolgreich wirkte.

 

Herr Elson von der katholisch.de-Redaktion hat zwei Videos zum Festakt der KSZ angefertigt. Mit bestem Dank an die Redaktion dürfen wir Sie nun auf die entsprechende Webseite verweisen, auf der Sie die Beiträge anschauen können: Link1, Link2.

 

Insgesamt haben die Jubiläumsfeierlichkeiten die KSZ ermutigt, ihre Aufgabe auch in Zukunft wahrzunehmen. Sie boten nicht nur einen würdevollen Rückblick, sondern warfen auch einen gespannten Blick in die Zukunft.