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Eigenverantwortung als Grundprinzip der Wirtschaftsordnung - Sozialethische Fachtagung

11. Oktober 2010
Vom 8.-9. Oktober 2010 fand ein gemeinsam organisiertes Symposion der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach (KSZ), der Theologischen Fakultät Paderborn, des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) und der Bank für Kirche und Caritas zum Thema "Eigentümerverantwortung als Grundprinzip der Wirtschaftsordnung" statt.
V.l.: Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, Prof. Dr. Joachim Starbatty, Prof. Dr. Berthold Wald

In Form von Vorträgen, Statements und Diskussion setzen sich gut fünfzig Fachleute (Professoren, Unternehmer, Politiker,...) und interessierte Laien unter anderem mit der Frage auseinander, wie die Orientierung an persönlicher Verantwortung und Haftung in ihrer fundamentalen Bedeutung neu erschlossen werden kann um so das im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise erschütterte Vertrauen in die Soziale Marktwirtschaft neu zu stärken.

 

Prof. Berthold Wald machte in seinem Grußwort als Rektor der Theologischen Fakultät darauf aufmerksam, dass es dabei wesentlich auf die handelnden Personen und nicht nur auf Rahmenbedingungen ankomme. Ferdinand Klingenthal (Vorsitzender des BKU-Diözesanverbandes Paderborn) knüpfte im Rahmen einer ersten Einführung am Freitag daran an und unterstrich die Bedeutung einerseits der Kardinaltugenden Klugheit, Maß und Gerechtigkeit und andererseits die Notwendigkeit, das 7.8. und 10. Gebot neu zu beachten. Zuvor hatte Professor Peter Schallenberg, Direktor der KSZ, die Teilnehmer offiziell begrüßt. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Bedeutung der Verantwortung für Eigentums-Unternehmertum und Manager-Unternehmertum unterstrich Dr. Thomas Köster. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf plädierte dafür, dass es "mehr Menschen brauche mit "Lust und Bereitschaft zur Verantwortung, ohne dass sie den Mut des Narren haben müssen". Dr. Manfred Fuchs betrachtete die Problematik aus der Sicht des Aufsichtsrates eines an der Börse dotierten Unternehmens und betonte aus eigener Erfahrung, dass es auch dort  Fairness und Verpflichtung gebe. Am Anfang einer jeden Krise stehe die Missachtung von mindestens einer der vier Verantwortungen des Unternehmers: die der wirtschaftlichen Ziele, von Nachhaltigkeit, einzuhaltenden Regeln sowie Maß und Anstand. Vor der sich anschließenden Plenumsdiskussion, die Dr. Richard Böger (Vorstandsvorsitzender der BKC) leitete, weiten zwei weitere Impulse und Statements die Perspektive. Frank Schäfer MdB (FDP) beleuchtete den Einfluss der Politik und auch entsprechende Fehler, die zur Krise beigetragen haben, Prof. Heribert Schmitz (ehemals Hewlett Packard) lenkte den Fokus auf die globale Dimension und forderte entsprechend weltweite Antworten und "Spielregeln". Der gemütliche Ausklang im Weinkeller des Hotels Aspethera ermöglichte den weiteren Austausch in lockerer Atmosphäre.

 

Der Studientag am Samstag stand nach der Feier der hl. Messe in seinem ersten Teil im Zeichen der Katholischen Soziallehre sowie der globalen Perspektive. Hierzu referierte zunächst der Paderborner Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Dr. Günther Wilhelms. Ausgehend von den beiden Extrempositionen, Eigentum als individuelles Freiheitsrecht und Eigentum als ursprüngliches Recht aller, bot Wilhelms gleichsam die Grundlagen für den gesamten Studientag, indem er in einer tour d’horizon die Position der Katholischen Soziallehre zum Thema Eigentum als "Struktur der Verantwortung" entfaltete. Prof. Dr. Joachim Starbatty (Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft) reflektierte anschließend über die Bedeutung der Tatsache, "dass Banker prinzipiell nicht schlechtere Menschen sind" als "wir alle". Im Hinblick auf das allgegenwärtig handlungsleitende Moment der Gewinnmaximierung stellte Starbatty jedoch fest, dass "auf Vorstandsebene nur noch Möhrenpflanzen und keine Walnussbäume" mehr gepflanzt würden - gleichsam also der kurzfristige und schnelle Ertrag wichtiger als der langfristige sei. Dem setze Achim Phillipus von Union Investment gegenüber, auch im Bereich des Investment-Bankings auf wenigstens längerfristige Nachhaltigkeit zu setzen. Ergänzt werde dies durch ausgeprägte Unternehmenskontakte, also den Dialog zwischen Anlageverwalter und Anleger. Zuvor hatte der freiberufliche Krisenmanager Dr. Michael F. Keppel in einem Impuls grundlegende Eckpunkte für die Eigentümerverantwortung genannt: u.a. die Notwendigkeit eines theoretischen Bezugsrahmens zur Gestaltung der Globalisierung, die Einbindung der Entwicklungsländer, Ausbau der Aus- und Fortbildung sowie insbesondere die ethische Bildung. Die Plenumsdiskussion machte deutlich, dass auf der Agenda für die Zukunft die Frage eines Christlichen Managements stehen muss, welches das Besondere des Christlichen Ethos und seine Sprengkraft mit einbezieht - auch die Kategorie der eigenen Schwäche.

 

Wie kann Sozialverantwortung operationalisiert werden? Dieser Frage widmete sich der Geschäftsführer der Bank Vontobel Deutschland/Europa, Matthias Klein, im nachmittäglichen Teil des Studientages, der sich insbesondere mit der Eigentumsverpflichtung von Kleinanlegern und der Kirche sowie dem Verhältnis von Unternehmensverfassung und Wirtschaftsordnung beschäftigte. Klein wies darauf hin, dass es - obwohl oft unbekannt - beispielsweise Aktienindizes gebe, die dem Kriterium der Sozialverantwortung entsprechen und folgerte: "Nicht lange fragen, sondern anfangen."
Silke Riedel vom Institut für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V., Hannover schloss mit ihrem Statement daran an und stellte ethisch-ökologische Alternativen für konventionelle Anlageprodukte vor. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass in Deutschland aktuell nur etwa ein Prozent aller Anlagen nachhaltig und ethisch angelegt wird. Frau Riedel nahm in diesem Zusammenhang auch die katholische Kirche in die Pflicht, deren Anlagestrategien in puncto Nachhaltigkeit und Ethik aktuell noch nicht genügend ihrer Rolle als Moralinstanz entsprechen.
"Ich würde in Fragen des ethischen Investments ein gemeinsames Auftreten der Bistümer und Orden befürworten," das hob Dr. Richard Böger als Moderator einer Plenumsdiskussion hervor, in deren Zusammenhang auch der Vorschlag eines Gütesiegels für ethisches Investment diskutiert wurde.

Im prominent besetzen Abschlusspanel stellte der Steuerberater André Marius Le Prince das Konzept des Social Business als dritter Unternehmensform neben Non-Profit Unternehmen und gewinnorientierten Unternehmen vor - ein typisches Beispiel: das Mikrofinanzwesen. Dr. Carsten Linnemann MdB (CDU) rekurrierte in seinem Vortrag auf die Verbindung von Katholischer Soziallehre und Sozialer Marktwirtschaft und zeigte deren Entwicklung und Wichtigkeit auf und legte einen besonderen Fokus auf den Aspekt der Haftung.  In das Thema Eigentümerverantwortung zwischen Unternehmensverfassung und Wirtschaftsordnung eingeführt hatte Prof. Dr. André Habisch von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Frau Marie-Luise Dött MdB, BKU-Bundesvorsitzende, warb zu Beginn Ihres Statements um ein Weiterdenken. Ausgehend von dieser Tagung solle insbesondere die BKU-Arbeitsgruppe "Eigentümerverantwortung" ausgebaut werden. Im weiteren Verlauf plädierte sie für eine Sensibilisierung auch der Kleinsparer dafür, die Hintergründe ihrer Anlagen zu erfragen und in der Konsequenz etwa auch radikale Konsequenzen - bis zum Wechsel der Bank oder Versicherung - zu ziehen. In diesem Zusammenhang seien allgemein Aktienanlagen oft transparenter als klassische Anlageprodukte. Dr. Axel Smend, Geschäftsführer der Deutschen Agentur für Aufsichtsräte, zeigte die besondere Rolle eben dieses Personenkreises und seiner besonderen Verantwortung in börsennotierten Unternehmen auf: "ein Gramm an Integrität übertrifft viele andere Qualitäten".

Mit dem Schlusswort des stellvertretenden Direktors der KSZ, Dr. Arnd Küppers, ging eine erfolgreiche Tagung zu einem nicht nur aktuell wichtigen Thema zu Ende. Freilich bleibt, so die Erkenntnis, bei allem Nachdenken viel zu tun.

Fotos Sozialethische Fachtagung